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Managua-Projektbeschreibung

"Ich stelle mir vor, daß ich in Nicaraguas Hauptstadt mit vielen lieben Leuten und vielen bunten Farben in einem Wandbild meine Ideen in Bezug auf Kinderrechte darstelle...", hatte Sue auf einem unserer Vorbereitungsseminare gesagt. Wir wollten zusammen mit den Leuten vom CJCC (Centro Juveníl de Capacitación y Convivencia), dem Projekt der Kinderbewegung in Managua, bei dem wir zu Gast waren, solch ein Bild an eine Wand des Projekthauses malen. So war es schon vor der Reise in Briefen und Faxen verabredet worden. Unser Vorschlag nach zwei durchgrübelten Vormittagen war, einen Erwachsenen zu malen, neben dem Kinder auf einem "Berg" von Rechten stehen, so daß sie genauso groß sind wie der Erwachsene. Dieses Bild ist auf dem Umschlag des Buches "Gleichberechtigung im Kinderzimmer" von Ekkehard von Braunmühl abgebildet. (Viel später, nach unserer Rückkehr, erfuhren wir übrigens, daß diese Idee von einer österreichischen Briefmarke stammt, die wiederum das Siegerbild aus einem Malwettbewerb zum Thema Rechte der Kinder darstellt.) Es erschien uns als ein tolles Motiv, mit dem man alle unseren kinderrechtlichen Forderungen ausdrücken konnte. Eines Nachmittags fuhren wir mit den NATRAS zu einer Lagune, um dort mit ihnen über das Wandbild zu beraten. Sie waren sofort mit unserem Vorschlag einverstanden. Wir einigten uns mit Francisco, einem Jugendlichen, der im Projekt als Lehrer arbeitet und hauptverantwortlich für das Wandbild war, uns ein paar Tage später mit ersten Entwürfen wiederzutreffen. Aber so einfach war es doch nicht: mit dem Entwurf von Francisco waren wir nicht einverstanden, weil wir ihn als zu kitschig und niedlich empfanden. Unser Entwurf erschien uns viel realistischer, doch auch er war noch längst nicht geeignet, auf eine 5 x 4 Meter große Wand übertragen zu werden. Wir brauchten dringend sachkundige Beratung, die wir glücklicherweise mit Manfred Liebels (einem langjährigen Begleiter der Kinderbewegung) Hilfe bei der Kunsthochschule von Managua fanden. Es sollte aber noch schier endlose Zeiten dauern, bis wir zusammen mit den NATRAS und den Studenten der Kunsthochschule einen Konsensentwurf erarbeitet hatten. (Die Lehrer der Kunsthochschule zogen sich irgendwann zurück, weil ihnen die Aktion zu hektisch und unprofessionell war, und die Studenten mußten und wollten auf eigene Faust weitermachen.)

In dieser Zeit waren wir alle extrem gestreßt. Ständig gab es Probleme, Mißverständnisse und Verzögerungen, häufig verursacht durch sprachliche und "kulturelle" Verständigungsschwierigkeiten. Wir stellten zum Beispiel fest, daß die Nicas in Bezug auf das Wandbild ganz andere Prioritäten hatten als wir, wodurch die Konsensfindung zum Teil sehr kompliziert wurde. Ein anderes Beispiel: Kaum hatten wir die Wand zusammen mit Kindern vom Projekt weiß grundiert, erfuhren wir, daß die Wand doch erst hätte verputzt werden müssen. Also organisierten und bezahlten wir zwei Maurer, die innerhalb von zwei Tagen die Wand zum Bemalen vorbereiteten und bei der Gelegenheit das notwendige Gerüst bauten. Wir konnten auch erst sehr spät mit der Arbeit beginnen und nicht ununterbrochen arbeiten, da zwischendurch das Zentralamerikanische Treffen der Natras und das Kinderrechts-Seminar in Estelí stattfanden. Trotzdem kam der Tag, an dem endlich alles vorbereitet war und wir gemeinsam begannen, den Entwurf an die Wand zu übertragen. Leider war unsere Zeit zu knapp, und wir schafften es nicht mehr, das Wandbild zu beenden. Aber das machten die NATRAS und die Kunststudenten nach unserer Abreise, und jetzt ist das Bild fertig, und wir haben gehört, daß es allen gefällt. Wir finden es auch immer schöner.

Aus Deutschland hatten wir einen Solarkocher als Geschenk mitgebracht. Mit diesem Gerät kann man 12 Liter Wasser in weniger als einer halben Stunde zum Kochen bringen - allein mit der Energie der Sonne. Brennholz kann gespart werden, für dessen Besorgung die Leute in den Dörfern und kleinen Städten immer weitere Strecken zurücklegen müssen, weil es nicht so schnell nachwächst, wie es verbrannt wird, und deshalb rar ist. Bevor wir die Arbeit an dem Wandbild begannen, bauten wir das Geschenk nach Anleitung auf. Die Kinder aus dem Projekt halfen uns dabei. Zur Demonstration kochten wir gleich nach der Fertigstellung einen Topf Suppe und verteilten sie an die Kinder. Doch entgegen unseren Erwartungen fanden alle Leute die "deutsche Suppe" viel interessanter als die billige und umweltfreundliche Herstellungsweise.

Wir erwärmten auch Wasser zum Batiken mit dem Solarkocher, weiße T-Shirts und Farben hatten wir mitgebracht. Die Nicas hatten zum Teil noch nie gebatikte Kleidung gesehen. Um so mehr freuten sie sich, als wir die fertigen T-Shirts verschenkten.

Wie schon erwähnt, wohnten wir während unseres Aufenthaltes in den Familien der Projektleute. Dabei gab es sehr unterschiedliche Erfahrungen. Einige Leute unserer Gruppe verstanden sich bestens mit ihren Gastgebern, andere wurden mit ihren Familien nicht so richtig warm. Das sorgte für zwischenzeitliche Spannungen, die wir aber durch Beratungen in der Gruppe und sorgfältiges Abwägen der Faktoren mindestens in erträgliche Situationen verwandeln konnten.