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NATRAS - Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher

"Trotz der schlechten Bildung, die wir in diesem Land als arbeitende Kinder erhalten, werden wir planen und wir werden die Gewalt , die uns von den Erwachsenen, den Busfahrern, der Polizei und anderen Personen widerfährt, anklagen, undich versichere, daß wir zusammen kämpfen."

Edwin Escorcia - Jugendlicher auf dem zweiten nationalen Treffen der NATRAS

Nach den nicaraguanischen Wahlen 1990, bei denen ein 14-Parteien-Bündnis die sandinistische Regierung ablöste, kam es Kürzungen besonders im Bildungsbereich und Gesundheitswesen. 1991 gründeten nicaraguanische Erwachsene eine Solidaritätsbewegung, um arbeitende Kinder und Jugendliche (NATRAS) beim Aufbau einer eigenen Organisation zu unterstützen. Der folgende Text ist aus einem Dokumentarfilm von 1995 der NATRAS über sich selbst.

"Als Folge der neuen Politik und Ökonomie Nicaraguas, leben unsere Familien unter Bedingungen, die uns daran hindern, die Grundbedürfnisse zu befriedigen. Das bedeutet, daß mehrere tausend Kinder unter riskanten Umständen leben und die meisten unserer Häuser sind aus Karton oder Plastik. Wir leiden unter Unterernährung und der miserablen gesundheitlichen Situation. Die Arbeitslosigkeit unserer Eltern verpflichtet uns, auf die Straße hinauszugehen, um zu arbeiten, um damit unseren Familien zu helfen.

In den Städten arbeitet die Mehrheit der Kinder in der informellen Wirtschaft (vertraglich nicht abgesicherte Arbeitsverhältnisse Anm.d.Red.) als Straßenverkäufer, Schuhputzer oder Autowäscher. Die Anzahl der Kinder, die von Diebstahl, verwahrlost oder in Drogensucht leben, steigt rapide an.

Im April 1992 haben wir, Kinder und Jugendliche verschiedener Projekte, uns zum ersten Mal in der Stadt Ocotál versammelt. Das Motto war: Wie leben und wie wollen wir leben? So entstand unsere Bewegung (...)

Ebenfalls haben wir den internationalen Tag des Kindes in Form eines Karnevals in den Straßen von Managua gefeiert, mit Clowns, Theaterstücken, traditionellen Kostümen, Masken und geschmückten Wagen. Auf anderen Treffen nahmen Kinder aus unterschiedlichen Regionen des Landes teil. Hier wurden Erfahrungen ausgetauscht, wir planten Aktionen, um unsere Rechte zu verteidigen und mehr Dialog mit Bürgermeistern, Ministern und anderen Autoritätspersonen zu erreichen. Außerdem war die Unterstützung wichtig, die uns die Begleiter (educadores - Anm.d.Red.) anboten, die uns während des Treffens unterstützten.

Heute umfaßt die Bewegung um die 4000 Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Landesregionen. Seit Beginn hatten wir zwei landesweite Treffen, ein mittelamerikanisches Treffen, Zeltlager, Karnevals, Kurse zu unseren eigenen Lebenserfahrungen, Mädchentreffen und den Austausch zwischen Projekten verschiedener Städte, um mehr Spaß und Freundschaften zu haben, um so die gesamte Situation zu verbessern. Wir machen Seminare zur Herstellung von Kinderzeitungen, haben Zeitschriften und Radioprogramme. Wir besuchen Kommunikationsmedien und sprechen mit Bürgermeistern, Regierungsabgeordneten und der Polizei."


Anm.d.Red.: Der Text entstand Anfang 1995. 1996 gab es weitere Treffen, darunter das dritte landesweite nicaraguanische Treffen und das vierte Regionaltreffen der Bewegung arbeitender Kinder und Jugendlicher in Zentralamerika, der Karibik und Mexico.