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Folgender Text wurde auf der "Revolutionären 1. Mai Demo" als Flugblatt über 500mal verteilt. Als Redebeitrag entfiel er aber aus Sicherheitsgründen.

Für eine Gesellschaft ohne Altersdiskriminierung

Daß es in unserer Gesellschaft eine Menge Ungerechtigkeit gibt, ist uns allen klar. Darauf aufmerksam zu machen, ist ja ein Ziel dieser Demo. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Gleichberechtigung von Menschen mit verschiedener Hautfarbe, sowie die von Menschen mit und ohne Behinderung gesetzlich festgeschrieben. Daß es mit der praktischen Umsetzung oft Probleme gibt, wissen wir alle, aber im Prinzip ist klar: Kein Mensch darf für eine Eigenschaft diskrimiert werden, für die er nichts kann. Ein großer Teil der Bevölkerung, ca. 20 %, werden aufgrund einer anderen Eigenschaft, für die sie nichts können, diskriminiert: aufgrund ihres Alters. Die Rede ist von Kindern und Jugendlichen.

Die rechtliche Situation von Kindern ist mit der von Leibeigenen oder von Gefangenen vergleichbar – auch wenn viele das nicht wahr haben wollen. Der Status von Kindern entspricht etwa dem von Frauen vor der Jahrhundertwende. In unserer heutigen Gesellschaft werden Kinder nicht als Subjekte angesehen, die sie ja zweifelslos sind, als Menschen, als autonome Lebewesen, sondern als Objekte; und so werden sie auch behandelt: als Objekte von Bildung, von Erziehung, von Schutz.

Politisch sind sie machtlos. Sie können nicht die Menschen wählen, die über sie bestimmen; sie haben kein Wahlrecht. Die Demokratie mag viele Mängel haben – der Parlamentarismus ist vielleicht einer von ihnen – ein ganz entscheidender Mangel ist aber sicher, daß allein in Deutschland 20 % der Bevölkerung – in anderen Ländern sind es teilweise über 50 % – allein wegen ihres Alters von der demokratischen Mitbestimmung ausgeschlossen sind, so wie es früher als legitim galt, Menschen wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe oder ihres Besitzes auszuschließen. Die mangelnde politische Mitbestimmung hat dazu geführt, daß Kinder und Jugendliche aus weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgesperrt bleiben.

Aber nicht nur in der Politik sind junge Menschen vom Wohlgefallen der Erwachsenen abhängig, sondern auch in der Familie. Wie einst die Männer ihren Frauen gegenüber, haben Eltern heute immer noch das Recht, ihre Kinder zu erziehen, sie nach ihrem Geschmack zu formen und sie ihrer Selbstbestimmung zu berauben.

Deshalb fordern wir KinderRÄchTsZÄnker (kurz: K.R.Ä.T.Z.Ä.) die Gleichberechtigung der Generationen – sowohl in der Familie als auch in der ganzen Gesellschaft, und damit die Abschaffung aller diskriminierender Altersgrenzen. Auch fordern wir, die Schulpflicht – den unentrinnlichen Zwang für Kinder, zur Schule zu gehen – zu ersetzen durch ein Recht auf selbstbestimmte Bildung, das auch den Eltern gegenüber durchsetzbar sein muß. Lernen in Freiheit, statt unter Zwang, in einem Teilzeitgefängnis.

Wir glauben, daß die Gleichberechtigung von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und alten Menschen ein wichtiger Schritt für eine gerechtere Gesellschaft ist. Wir halten die Kinderfrage für eine Schlüsselfrage, da alle Menschen zu Beginn ihres Lebens Kinder sind, und alle die Erfahrung machen mußten, daß sie nicht wirklich ernst genommen werden, daß sie ausgegrenzt werden und daß die Menschenrechte für sie nur sehr eingeschränkt gelten. Wer Werte wie Freiheit oder Demokratie nie oder nur selten erlebt hat, wird sich kaum für sie Einsetzen. Rechtsextremismus ist ein Symptom, wenngleich ein sehr krasses. Die Ursachen müssen bekämpft werden. Gesellschaftlicher Frieden ist ohne die Gleichberechtigung aller Menschen – also auch der Kinder – nicht möglich.