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Zusammengefasste Antworten

1. Wahlalter

Nur anheben will es keiner

von Martin Wilke

Überhaupt keine Veränderung beim Wahlrecht befürworten nur CDU, NPD, BüSo und die Humanistische Partei. Zur Begründung verweist die CDU darauf, daß durch „unbegrenzte Mit- und Selbstbestimmung die Freiheitsrechte und auch die bestehenden Schutzfunktionen dafür gefährdet“ seien. „Die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre wird sicherlich auch aus wahltaktischen Überlegungen erhoben.“ Weiter führt die CDU die unter dem Gesamtdurchschnitt liegende Wahlbeteiligung von Erstwählern sowie den "wichtigen Zusammenhang von Rechten und Pflichten", insbesondere die günstigeren Jugend-Strafrechts-Regelung für 18- bis 21jährige an, die dann auch geändert werden müßten. „Da auch repräsentative Meinungsumfragen bestätigen, daß ein Wahlalter 18 als angemessener Kompromiß angesehen wird, unterstützen wir Änderungswünsche nicht.“

Unentschlossen

Die SPD konnte sich für keine Antwort entscheiden und befindet sich „derzeit noch im Diskussionsprozeß über die Herabsetzung des Wahlalters.“ Die Erfahrungen bei den Kommunalwahlen in Hessen und Nordrhein-Westfalen seien gut und man wolle in der „kommenden Wahlperiode (...) Entscheidungen für die nächsten Berliner Wahlen treffen“.

Herabsetzung des Wahlalters

Die PDS ist „unbedingt für eine Herabsetzung des Wahlalters“. Eine Altersgrenze von 16 Jahren „entspricht wissenschaftlichen Studien über die Entwicklung der politischen Reife Jugendlicher, obwohl das Alter eines Menschen nur wenig über seine Reife, sein Wissen und seine Erfahrungen und über den Stand seiner Persönlichkeitsentwicklung aussagt.“ In der PDS gebe es jedoch viele, „die für die generelle Abschaffung einer Altersfestlegung für die Wahlberechtigung eintreten, wobei dann Eltern bis zu einem bestimmten Alter ihrer Kinder für diese mitwählen dürfen sollen.“ Die Diskussion darüber will die PDS vor allem gemeinsam mit jungen Menschen führen.

Die Grünen, die 1996 im Abgeordnetenhaus noch einen Antrag auf Senkung auf 14 Jahre eingebracht hatten, befürworten nun nur noch die Senkung auf 16 Jahre. Die FDP, die bisher immer das Wahlalter 18 verteidigt hat, befürwortet auf kommunaler Ebene eine Senkung auf 16.

Auch die Grauen Panther sind kommunal für Wahlalter 16. jetztWIR will die Altersgrenze senken, weiß aber noch nicht, ob auf 16, 14 oder 0 Jahre. Die DL ist für Wahlalter 14 und die APPD für 15. Die STATT Partei möchte eine Stellvertretung durch die Eltern.

Abschaffung des Wahlalters

Die Deutsche Kommunistische Partei bekennt sich zur Abschaffung der Altersgrenze. Die ödp will praktisch das gleiche, wenn sie fordert „Senkung des Wahlalters, und zwar auf das Alter, das der Wähler selbst beantragt“. Dies sei dem Stellvertreterwahlrecht vorzuziehen, „da hier der junge Mensch selbst entscheiden kann, wann er sich für politische Wahlen befähigt fühlt.“


"Erst ab ca. 14 Jahren bilden sich Kinder und Jugendliche eine eigene Meinung."

Die STATT Partei zu 1. Wahlalter


2. Schulpflicht

Was sagen Parteien zu dem Zwang, in Räumen mit 30 Menschen, die man eventuell nicht mag und kennt, mit einem Lehrer, den man eventuell nicht mag und kennt, bei dem man nix lernt, gesteckt zu werden?

von Sabine Steldinger

PDS und APPD sprechen sich für die Abschaffung der Schulpflicht und die Wahrung des Rechts auf Bildung aus. Allerdings verpflichtet die PDS Staat und Eltern, eine Bandbreite von Bildungsmöglichkeiten anzubieten. Dagegen lehnt die APPD die Schulpflicht ab und begründet dies mit ihrer Kritik am „Gruppenzwang“ und der „Leistungsterrormaschine“ und Schule.

Für eine Bildungspflicht

Etwas weniger wagemutig sind die Grauen, NPD, die Demokratische Linke und jetztWIR, die die Umwandlung in eine Bildungspflicht befürworten. Doch aus unterschiedlichen Motiven.

Die NPD sieht hier nämlich die Möglichkeit, den Einfluß der „totalitären multikulturellen Gesellschaft“ auf die Kinder zu verhindern, während die Demokratische Linke ohne irgendeine Pflicht die Gefahr der Kinderarbeit sieht. Und jetztWIR glaubt, daß eine Verpflichtung zum Lernen zum „Schutz der Schüler“ notwendig sei. Immerhin sind diese Parteien für die freie Wahl in der Art und Weise, wie man was lernt.

Für die Schulpflicht

Für die Beibehaltung der Schulpflicht sind die CDU, die Grünen, FDP, BüSo, Humanistische Partei, ödp, die Flut und MLPD.

In allen Antworten wird deutlich, daß die Parteien offenbar „Gleichmacherei“ mit „Chancengleichheit“ verwechseln. Die CDU kann es „nicht nachvollziehen“, wieso die Schulpflicht ersetzt werden sollte, da sie sich doch „uneingeschränkt bewährt“ habe und „gesellschaftliche Stabilität“ gewährleiste. Auch die BüSo gibt sich als uneingeschränkt optimistisch, die Schulpflicht stelle eine „Ermöglichung der Ausbildung ihrer [der Schüler] Fähigkeiten“ und die „Erwerbung eines guten Allgemeinwissens“ dar. Augenscheinlich haben diese ParteiStimmen etwas verpaßt, wenn man die fast inflantionäre Kritik an der Effiziens unseres Bildungssystems in den letzten Monaten bedenkt.

Die Humanistische Partei und die Flut pochen auf eine „Unabhängigkeit [...] von den gefühlsmäßigen Schwankungen der Eltern“ und auf einen Unterricht der „interessant, qualifiziert, z.T. witzig, abwechlungsreich u. z. T. individuell abgestimmt – also einfach gut ist“.
Schulpflicht
Die MLPD scheint noch immer dem Zeitalter der Industrialisierung verhaftet zu sein, da die Schulpflicht ein „Fortschritt und Beitrag zum Schutz der Jugend“ sei und es damals üblich war „daß Kinder in Fabriken und auf dem Land ausgebeutet wurden, so daß ihnen ein Besuch der Schule gar nicht ermöglicht wurde“. Dumm, daß sich die Zeiten inzwischen geändert haben und außerdem „ermöglichen“ auch ohne Schulpflicht denkbar ist.

Die ödp glaubt, durch die bestehende Ordnung sei „soziales Lernen“ gegeben (wie das in einer Athmosphäre aus Konkurrenzdruck und Mißtrauen gehen soll, bleibt unklar) und schätzt Freiräume „außerhalb der Kontrolle der Eltern“. Dennoch würden sie Ausnahmefälle von Privatunterricht genehmigen. Eine Selbständigkeit der jungen Menschen wird anscheinend nicht in Erwägung gezogen.

Eine andere Lösung haben DKP, Grüne und STATT Partei. Die Grünen schlagen ein „Recht auf Unterricht“ vor. Sie können sich allem Anschein nach mit keiner anderen Lernform anfreunden – warum, haben sie nicht angegeben. Die DKP will die Schulpflicht „ohne Zwangsmaßnahmen“ haben, wobei nicht beschrieben wurde, wie sie Zwangsmaßnahmen definieren. Wenn sie die üblichen Strafen bei Nichtanwesenheit und Sachen wie Prüfungen und Hausaufgaben meinen, so frage ich mich, wieso sie dann die Schulpflicht legitimieren.

Die STATT Partei befürwortet eine Sonderregelung, nach der Kinder sich alternativ von ihren Eltern bilden lassen können. Einen Schritt weiter und sie könnten sich vielleicht auch zur Bildungspflicht aussprechen.


3. Schulverweigerung

Mehrheit der Parteien sieht Alternativen zur polizeilichen Zuführung

von Elisa Klement

Die Mehrzahl der Parteien (PDS, NPD, Demokratische Linke, die Grauen, STATT Partei, jetztWIR) befürworten eine Befreiung von der Schulpflicht, wenn ein Nachweis anderer Bildung gegeben werden kann.

Obwohl die NPD dies begrüßt, behauptet sie (wie bei der Frage der Schulpflicht auch) fälschlicher Weise, daß dafür erst das Grundgesetz geändert werden muß. Die PDS sieht so die Möglichkeit, Schulverweigerer wieder zum Lernen zu motivieren. Im Rahmen der schulischen Angebote, zwischen denen Kinder und Jugendliche wählen können, wären alternative Lernformen allerdings noch sinnvoller. jetztWIR betrachtet die Schule nicht als beste Form des Lernens, daher spricht für sie nichts dagegen, wenn das Kind die Bildung auch auf einem anderen Weg erfährt.

Durchgreifen mit der Polizei

Der Regelung, Schulverweigerer wie bislang u.a. von der Polizei zurück zur Schule bringen zu lassen und den Eltern ein Bußgeld anzudrohen, stimmen CDU und Flut vollkommen zu. Eltern nicht volljähriger Kinder haben „nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zur Erziehung“, so die CDU. Sie ist für eine ausnahmslose gesetzliche Einhaltung der Schulpflicht, da „Schulbildung und Schulabschluss die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben sind“. Die Gründe der Schulverweigerer sollen allerdings besprochen und beseitigt werden, um einen „konfliktfreien Schulbesuch“ zu ermöglichen. ‘Null Bock‘ sei jedoch kein relevanter Grund.

Vorschläge für Alternativen

Äußerst ungenau drückt sich die SPD aus. Dennoch sieht sie die Dringlichkeit einer Schulreform aufgrund der steigenden Zahlen der Schulverweiger-ungen. Bei der Entwicklung von Modellen für Prävention und Hilfen sei die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen empfehlenswert.

Andere Lösungsansätze sehen FDP, DKP, ödp und BüSo. Mehr Investitionen für Bildung im allgemeinen fordert die FDP. Durch kleinere Klassen könnten Lehrer besser auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und den Unterricht flexibler gestalten. Dadurch sollen Schulverweigerer wieder motiviert werden, am Unterricht teilzunehmen. Von einem härteren Durchgreifen versprechen sich die Liberalen aber keinen Erfolg. Sie sind der Meinung: „Das Problem der Schulverweigerer muss ernster genommen werden.“ Die DKP will erst einmal die Umstände prüfen und ein Angebot von Alternativen geben.

Einfach keine Aussage

Ausschließlich Bündnis 90/Die Grünen und die APPD sprechen sich dafür aus, den (erneuten) Schulbesuch einzig und allein dem jungen Menschen zu überlassen, begründen dies jedoch leider nicht. Die Humanistische Partei und die MLPD äußerten sich zum Thema Schulverweigerer gar nicht.


4. Wahlfreiheit innerhalb der Schule

Das allgemeine Wissen muß man wissen

von Beatrice Schütt

Die einzigen Parteien, die sich für eine Abschaffung des Pflichtbesuchs von Fächern in allen drei Altersstufen ausgesprochen haben, sind die APPD und die Demokratische Linke. Voraussetzung für letztere ist jedoch eine gute Beratung bei der Auswahl der Fächer und zusätzlich erscheint ihr eine „gänzliche Vermeidung" von Elementarfächern „fragwürdig". Die APPD gab (ganz gemäß ihrem ´98er Wahlplakat „Dumm und Glücklich") an, daß jeder einzelne entscheiden solle, ob er zum Glücklichsein Lesen, Schreiben und Rechnen benötigt.

Das gewisse Grundwissen

Die MLPD ist sich zusammen mit jetztWIR, der Flut und der PDS einig, daß ein gewisses Grundwissen auf jeden Fall vorhanden sein müsse, um anschließend selber ein vielfältiges Angebot von Kursen und Arbeitsgemeinschaften besuchen zu können. Die ödp stimmt damit überein, schlägt zusätzlich ab der Oberstufe aber noch eine Wahlfreiheit bei studiumsorientierten Fächern vor. Außerdem sind sie insgesamt der Ansicht, daß in der Schule „fachliche und menschliche Kompetenz" gefragt sei.

Die STATT Partei ist der Meinung, daß „junge Lehrer" heutzutage in der Grundschule sowieso genügend Motivation einbrächten. Sie gestehen den Schülern der Sekundarstufe I immerhin schon ein anfängliches Aufkeimen von Interessen zu und befürworten erst ab der Oberstufe eine 100%ige Erfüllung der Bildungswünsche.

Nix Wahlmöglichkeit

Leider ist die CDU der Auffassung, daß „es keine ernstzunehmende Diskussion" um die Abwahl von Schulfächern gebe, da der Leistungsstand allein schon in den Grundkenntnissen immer geringer werde. Eine völlige Abschaffung der Wahlfreiheit innerhalb der Schule befürworten die NPD mit der Begründung, daß es „keinem Kind verwehrt werden" solle, die ganze „Bandbreite der Bildungsmöglichkeiten" kennenzulernen. In der Grundschule soll nach Meinung der Grauen und der Flut ebenfalls sämtliche Wahlfreiheit abgeschafft werden.

Die Grünen, die SPD und die Humanistische Partei haben sich zu Wahlfreiheiten überhaupt nicht geäußert.


5. Zensuren und zentrale Abschlußprüfungen

Was sagen die Parteien zu dem Druck, sich unausweichlich
den prüfenden Augen einer Lehrkraft ausgesetzt zu fühlen?

von Sabine Steldinger

Durchgehend ist bei vielen Parteien der Gedanke, daß eine „Vergleichbarkeit" von Leistung gegeben sein müsse. JetztWIR verweist in diesem Zusammenhang auf „die bessere Überschaubarkeit" für Unternehmen in Bewerbungen. Es ist den Unis bzw. Firmen offenbar nicht zumutbar, selbst Tests und Eingangs- oder Aufnahmeprüfungen durchzuführen, die auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind.

Ganz drastisch bringen es die Grauen auf den Punkt: „Um die Doofen von den ganz Doofen zu unterscheiden!"

Obwohl die PDS und die Demokratische Linke für die Abschaffung von unerwünschter Benotung sind, so gäbe es doch „leider Zwänge" und es sei trotz des fehlenden Aussage- und Wahrheitsgehalts der Zensuren „sinnvoll,[...] Lernergebnisse und Lernfortschritte zu messen". Warum eine konstruktive Messung der Lernergebnisse durch eine freiwillige Prüfung oder auch andere Mittel auszuschließen sei, wird nicht erwähnt.

Die FDP gibt sich liberal, indem sie Zensurenfreiheit genehmigen würde, wenn es zum Konzept der jeweiligen Schule passe und eine Nachfrage bestünde.

Indes plädieren die ödp und die STATT Partei auf Erläuterungen der Zensuren für Eltern, z.B. in Form von Gesprächen. Auch jetztWIR, MLPD und NPD halten eine korrekte Selbsteinschätzung des Schülers für nicht denkbar. Jedoch glaubt jetztWIR, die Genehmigung der „Anwesenheit [des Schülers] bei Zensurenkonferenzen" könne etwas bewirken (was genau, bleibt ein Geheimnis).

Einen Schritt weiter geht die APPD: Sie befürwortet die freiwillige Prüfung, „um selber Schwächen zu finden".

Einige sprechen sich auch für eine individuellere und detailliertere Bewertung aus. So meint jetztWIR, eine schriftliche Bewertung sei „weitaus detaillierter", die Flut möchte neben den Zeugnissen „auch individuelle Stärken und Interessen" erwähnt haben. Aber wie das ein Lehrer im jetzigen Schulsystem auch bei einer geringen Klassenstärke von nur 20 Schülern schaffen soll, ohne in die Köpfe der Menschen schauen zu können, und obendrein noch den von allen geforderten qualitativ hochwertigen Unterricht leisten soll, ist und bleibt eine offene Frage.

Die Fragen zur Bewertungsgebung differenzieren sich in Grund-, Mittel und Oberstufe. Dementsprechend unterschiedlich und mehr oder weniger unentschlossen sind die Antworten der Parteien. CDU, FDP, die Flut, jetztWIR, MLPD und BüSo sind für die Beibehaltung des derzeitigen Notengebungssystems in allen Stufen. Die NPD spricht sich zusätzlich für Zensuren ab der ersten Klasse aus.

Etwas experimentierfreudiger möchte die STATT Partei außer der Beibehaltung in Grund- und Mittelstufe, auch andere Bewertungsformen in der Oberstufe einführen. Dagegen möchte die DKP in der Grundschule nur andere Bewertungsformen und in den weiteren Stufen eine Mischform. Die Grünen sind etwas weniger wagemutig als die DKP und plädieren außer für die anderen Bewertungsformen in der Grundschule für die Beibehaltung der Zensierung in den oberen Stufen. Die ödp ist sich nicht einig und befürwortet eine Mischform in der Grundschule und die Beibehaltung in der Mittel- und Oberstufe.

PDS und DL sind grundsätzlich für die Abschaffung jeder unangeforderten Bewertung.

Allem Anschein nach besteht zu diesem Thema noch viel Diskussionsbedarf.

Zentrale Abschlußprüfungen

Eine sehr große Differenz besteht in der Diskussion um die zentralen Abschlußprüfungen.

NPD, CDU, FDP, ödp, die Flut und die STATT Partei sind sich relativ einig darin, daß durch zentrale Abschlußprüfungen „Vergleichbarkeit" gegeben sei und sich dadurch der „Wettbewerbsdruck auf Schule" erhöhe. Verwechselt hier jemand Bildung mit Verbrauchsgütern?

Die ödp möchte diese Prüfungen auf „bestimmte Bereiche" beschränken. Über die Art dieser Bereiche und wieso dann auch hier die Freiwilligkeit abgelehnt wird, ist nicht überliefert.

Bedeckt hält sich die Humanistische Partei und gibt sich immerhin „offen zur Diskussion". Und die Grünen sind gegen Abschlußprüfungen, hielten ihre Antworten aber offenbar nicht für begründenswert.


„Wenn jemand absichtlich nicht schreiben und rechnen will, braucht er es auch nicht, solange er oder sie dabei glücklich ist."

Die APPD zu 4. Wahlfreiheit innerhalb der Schule


6. Schuluniformen

Keine Einheitsmeinung zur Einheitskleidung

von Martin Wilke

Von den größeren Parteien ist nur die PDS für ein ausdrückliches Verbot von Schuluniformen und Dress Codes. Sie will „allerdings den faktischen Zwang zur Markenkleidung überwinden."

Die SPD hat es wie auch bei allen anderen Fragen vermieden, eine wirklich eindeutige Position zu beziehen und schreibt: „Die Diskussion ist sicherlich aufgrund des von Ihnen so bezeichneten Markenklamotten-Terrors so in den Mittelpunkt gerückt. Die SPD steht wie die meisten Schüler Schuluniformen kritisch gegenüber."

Nur vermeintlich liberal

CDU, FDP und Grüne verkaufen die Möglichkeit, Schuluniformen und Dress Codes einzuführen, _ durch die die Grundrechte der Schüler radikal eingeschränkt würden _ als eine liberale Forderung.

So schreibt die FDP: „Auch hier gilt die liberale Grundhaltung: Wenn die Schulgemeinschaft beschließt, Schuluniformen einzuführen, sollte die Schule dieses einführen. Lehnt die Schulgemeinschaft die Anschaffung ab, so ist auch das zu akzeptieren!"

Die CDU „ist der Auffassung, daß Schulen _ wenn sich die entsprechenden demokratischen Gremien Gesamtkonferenz und Schulkonferenz dafür aussprechen _ Schuluniformen einführen können. Das Für und Wider der Diskussion läßt keine einheitliche Entscheidung zu, so daß dies nach den Bedürfnissen vor Ort entschieden werden sollte."

Und die Grünen schreiben: „Wenn an einer Schule, nach demokratischen Prinzipien, alle Beteiligten _ insbesondere die SchülerInnen _ sich für Schuluniformen aussprechen, ist nichts einzuwenden. Wir lehnen aber Schuluniformen per Verordnung ab."

Schuluniformen will die STATT Partei nicht, denn „England zeigt: soziale Unterschiede sind trotzdem bemerkbar: Reiche haben 2-3 Uniformen und sind gepflegt, Arme nur eine, die am Wochenende gereinigt wird." Die STATT Partei kann sich allerdings die Einführung von Dress Codes vorstellen.

Ganz in zivil

Die DKP spricht sich klar gegen Schuluniformen und Dresscodes aus. Diese „lösen nicht das Problem der sozialen Ungleichheit. Sie verdecken eher die Widersprüche, sie tragen zur Uniformierung in der Gesellschaft bei." Weiter fragt sie: „Erzieht man so Leute, die dann vielleicht später um so leichter auch eine (Militär)Uniform anziehen?"

Auch die MLPD, die Demokratische Linke und die Flut lehnen jede Uniformierung ab. „Gerade in Schulen sollen junge Menschen zu selbständig denkenden und handelnden Menschen werden. Wenn man ihnen vorschreibt, welche Kleidung sie zu tragen haben, konterkarriert das diese Bestrebung. Schuluniformen und Dress Codes schränken auf unerträgliche Weise Grundrechte ein", begründet jetztWIR ihre Ablehnung.

Der NPD hingegen geht es weniger um die freie Entfaltung aller Menschen, sondern sie befürchtet vielmehr, daß „insbesondere deutsch gesinnte Kinder und Jugendliche mit Dress Codes unterdrückt werden."

Nur zwei Parteien sind dafür, in allen Berliner Schulen Schuluniformen einzuführen. Nach dem Willen der Grauen Panther soll dabei jede Schule ihre eigene Uniform haben _ „um Neid und Mißgunst zu beenden." Die Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (APPD) spricht sich wohl eher scherzhaft für die Einführung berlinweit einheitlicher Schuluniformen aus. Und zwar nicht nur für Schüler: „Wenn schon Schule, dann in Uniform, auch bei Auszubildenden, Studenten, Sozialhifeempfängern, Rentnern und so weiter".


7. und 8. Freie Schulwahl und Finanzierung von Schulen

Unter „vielseitiger Schullandschaft" verstehen alle was anderes.
Mehrheit ist für Gleichstellung von privaten mit staatlichen Schulen

von Christoph Klein

Die meisten Parteien befürworten eine vielseitige Schullandschaft. SPD, MLPD, und BüSo machten keine Angaben. Lediglich die DKP will die Einführung einer für alle einheitlichen, „bedürfnisorientierten" staatlichen Schule.Unter Vielseitigkeit versteht die CDU offenbar bereits unterschiedliche Profilbildung und Fremdsprachenwahl. Dem würde voraussichtlich die Jugendpartei jetztWIR widersprechen, die die „jetzige Schullandschaft monoton" findet und daher Schulen in privater und staatlicher Trägerschaft „mit unterschiedlichsten Konzeptionen" will. Die CDU macht aber deutlich, daß auch Privatschulen der staatlichen Schulaufsicht unterstehen. Auch Gregor Gysi (PDS) betont, daß beim Staat die „Ordnungs- bzw. Regulierungskompetenz für das Bildungswesen" liegen müsse: „Die Schulträgerschaft kann dann zweitrangig sein, wenn alle Schulen über die gleiche bzw. vergleichbare finanzielle, personelle und materielle Ausstattung verfügen...", schreibt Gysi.

Durch die Auffassung der NPD, daß einige politische Parteien die Errichtung einer „totalitären multikulturellen Gesellschaft" zum Ziel haben und dabei die staatliche Schule als Propagandaorgan eine bedeutende Rolle spiele, befürworten sie das Entstehen von Schulen in freier Trägerschaft.

Freie Schulwahl durch Schüler

Kinder und Jugendlichen sollen persönlich erst ab 18 Jahren zwischen bestehenden Schulen wählen dürfen, soll wollen es die Grauen, NPD und die CDU. Bis dahin könnten erfahrene Pädagogen und Eltern besser einschätzen, welchen Bildungsweg Schüler erfolgreich beschreiten, meint die CDU. Die FDP befürwortet eine freie Wahl durch Schüler ab der Oberstufe. SPD, PDS und die Grünen machen keine Angaben. Sechs kleine meist linke Parteien, darunter jetztWIR, APPD, DL und die DKP sind bereit, Schülern jeden Alters den Besuch einer Schule ihrer Wahl zu ermöglichen.

Finanzielle Gleichstellung von Schulen in staatlicher und freier Trägerschaft

Ödp, STATT Partei, BüSo und CDU sind die einzigen, die eine Wartezeit von drei Jahren befürworten, bevor Schulen in freier Trägerschaft staatliche Zuschüsse erhalten. Die CDU begründet diese "Anerkennungszeit" mit dem Schutz von Schule und Kindern, da die Arbeit der Schule vor einer staatlichen Finanzierung erst geprüft werden müsse. FDP, PDS sowie noch sieben andere Parteien (darunter jetztWIR, NPD und MLPD) befürworten die Abschaffung der Wartezeit, auch um zu vermeiden, daß für private Schulen Schulgeld bezahlt werden muß. Die Grünen wollen lediglich eine Senkung der Wartezeit. Schulen in staatlicher und freier Trägerschaft sollten finanziell gleichgestellt sein. Gysi (PDS) hält ein „vom Staat zu regelndes Anerkennungsverfahren" für Schulen für erforderlich, zu dem auch gehören sollte, daß der freie Träger eine bestehende Nachfrage nachweisen kann.


9. Genehmigung einer Sudbury-Schule

Schweigen und Zustimmung von Martin Wilke

Dieses ist die am häufigsten unbeantwortet gebliebene Frage. Nicht nur BüSo, Humanistische Partei, ödp, DKP und MLPD, sondern auch SPD und CDU haben hier keine Position bezogen, teilweise aber Kommentare geschrieben.

So läßt der Geschäftsführer der CDU-Fraktion verlautbaren: „Für die Genehmigung von Schulen ist die Schulverwaltung, nicht das Parlament oder Parteien, zuständig. Wir bitten daher um Verständnis dafür, daß wir zu einer spekulativen Befürchtung anonymer ,Anhänger' ohne Begründung nicht Stellung nehmen." Die SPD ignoriert diese Frage völlig.

Die meisten anderen Parteien vermitteln hier eine etwas unsichere, aber liberale Kann's-ja-auch-geben-Haltung.

Genehmigung

Gregor Gysi (PDS) befürwortet die Einrichtung einer Sudbury-Schule und verweist dazu auf seine sonstigen Antworten. Auch die Grünen sind für die Genehmigung, kommentieren dies jedoch nicht weiter. Und „die FDP begrüßt Schulmodelle. Die Vielfalt im Bildungssystem ist ein wichtiges liberales Element. Bildungspolitik muss ideologiefrei werden!"

Die Grauen Panther schreiben: „Wenn die Selbstverwaltung so funktioniert wie oben beschrieben, kann man als moderner Zeitgenosse nicht dagegen sein!" und die STATT Partei: „Jedes Schulkonzept _ solange es nicht niederen Beweggründen entspringt _ kann auf den Markt: ob es allen Richtlinien entspricht und nachgefragt wird, zeigt sich in den ersten drei Jahren." Die Demokratische Linke meint: „Das bedarf sehr engagierter Leute, die sich vermutlich nur in privater Rechtsform zusammenfinden. Eine staatliche Schule dieser Art wäre jedoch auch begrüßenswert." JetztWIR ist sich etwas unsicher und schreibt: „Das Modell der Sudbury School ist gewagt und es ist fraglich, ob es sich auf jede Gesellschaft übertragen läßt. Aber es ist auch reizvoll und es lohnt sich zu testen, ob es auch in Berlin funktionieren würde. In staatlicher Trägerschaft wird das nicht gehen, der Druck und die Abhängigkeit wären zu groß. Als Privatschule ließe es sich ausprobieren." Auch die APPD ist der Ansicht, daß „das Konzept durchaus eine Berechtigung hat".

Dennoch scheinen nicht alle Parteien das Konzept in dieser Kürze erfaßt zu haben. So schreibt z.B. jetztWIR: „Auch hier gilt: Wie die Kinder lernen, mag ihnen überlassen sein, aber bestimmte Lernziele müssen erreicht werden."

Mißverständnisse

Am deutlichsten zeigt sich bei der NPD, daß sie das Konzept nicht mal im Ansatz verstanden haben. Sie sprechen sich für die Abschaffung jeglicher Wahlfreiheit für Schüler aus, wollen aber eine Sudbury-Schule als Staatsschule einrichten lassen, jedoch nur „wenn die Lehrkräfte den Nachweis ihrer Tauglichkeit, insbesondere hinsichtlich ihrer psychologischen Fähigkeiten, erbracht haben", da die Lehrziele nicht mittels „klassischer Methoden", sondern durch „subtilere Formen psychologischen Drucks" verwirklicht würden. Faktisch lehnt die NPD Sudbury-Schulen ab.

Die CDU schreibt in Fortsetzung ihrer oben zitierten Zeilen: „Die von Ihnen im ersten Absatz genannten Prinzipien gelten übrigens auch für die Berliner Schule (öffentlich und privat). Leider haben wir ihrer Schilderung nicht entnehmen können, welchen pädagogischen Ansatz die Sudbury Valley School verfolgt."

Als die einzige Partei hat sich die Flut offen gegen die Genehmigung einer Schule des Sudbury-Modells ausgesprochen, und begründet dies auch nicht.


„Weil Kinder immer faul sind und den bequemsten Weg wählen würden."

Die Grauen zu 7. Freie Schulwahl


Wer sind die Guten?

Die Parteien, die uns am nächsten sind

von Martin Wilke

In der Gesamtbewertung ist die Demokratische Linke (DL) die Partei, die unseren Forderungen am meisten zustimmt. Beim Wahlalter ist sie zwar nur für die Senkung auf 14 Jahre und will die Schulpflicht in eine Bildungspflicht umwandeln, befürwortet aber in allen Altersklassen sowohl die völlige Wahlfreiheit innerhalb der Schule als auch die Abschaffung jeglicher unangeforderter Bewertung. Die DL ist entschieden gegen Schuluniformen und für eine pluralistische Bildungslandschaft bei freier Schulwahl für Kinder jeden Alters und finanzieller Gleichstellung Freier Schulen mit staatlichen. Auch die Einrichtung einer Sudbury School wird unterstützt.

Die APPD gehört zwar außer bei Schuluniformen stets zu jenen, die uns am nähesten kommen, jedoch kommen einem - wenn man sich ihre sonstige Publikationen anguckt - Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihres politischen Handelns.

In der Wahlalterfrage hat uns die DKP positiv überrascht.

Unter den größeren Parteien werden unsere Vorstellungen am ehesten von der PDS geteilt. Von Grünen und FDP sind jeweils nur mäßige Verbesserungen zu erwarten und teilweise auch Verschlechterungen (Schuluniformen und bei der FDP zentrale Abschlußprüfungen).

Von der SPD erfahren wir recht wenig und die CDU will nicht nur nichts verbessern, sondern einiges sogar verschlimmern.



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