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Warum sich in demokratischen Schulen wenig ändert

Jede demokratische Schule hat ihre eigene Kultur und Tradition, mit der sie sich von anderen demokratischen Schulen unterscheidet. Interessanterweise bleiben diese Merkmale oft über Jahre und Jahrzehnte weitgehend unverändert. Hier einige Beispiele:
Die Bettzeiten sind in Summerhill ständiges Diskussionsthema. Und auch während des Meetings*, an dem wir teilnahmen, brachte jemand den Vorschlag ein, die Aufstehzeit nach hinten zu verschieben. Mehrfach schon sind die Bettzeiten im Laufe der Geschichte Summerhills ganz abgeschafft worden. Und doch wurden sie nach kurzem immer wiederhergestellt und von Schülern, Lehrern und Anhängern verteidigt.
In Summerhill wird relativ viel geklaut und die Türen sind verschlossen. In der von uns nicht besuchten (weil in den USA liegenden) Sudbury Valley School hingegen läßt jeder persönliche Dinge inklusive Portemonnaies ungeschützt herumliegen - und es wird fast nie etwas geklaut. In Sands ist das ähnlich.
Während es in Summerhill (und auch in Sudbury Valley) viele Regeln gibt und dagegen verstoßende Schüler bestraft werden, gibt es in der Sands School kaum Regeln, und entsprechend werden Schüler auch nicht bestraft.
In Summerhill scheint niemand über Altersdiskriminierung nachzudenken. Für verschiedene Altersgruppen gelten oft unterschiedliche Regeln. An Sudbury Valley dagegen ist man sehr darauf bedacht, keine altersdiskriminierenden Regeln aufzustellen, und auch in Sands scheint es wirklich gleichberechtigt zu sein.
Vermutlich akzeptieren die meisten Menschen einfach die Bedingungen, die sie vorfinden, bzw. gewöhnen sich an sie, sehen sie dann als normal an und verspüren keinen Bedarf sie zu verändern bzw. glauben nicht, daß es anders besser funktionieren würde.
Die Demokratie ermöglicht es grundsätzlich jeder der Schulgemeinschaften ohne weiteres, alle Regeln und Bräuche zu ändern. Größtenteils haben sie aber alles beim Alten belassen. Ganz ausgeschlossen sind wirkliche Veränderungen in der Praxis allerdings nicht, denn immerhin hat das School Meeting der Sands School vor einigen Jahren die Pflicht, am Unterricht teilzunehmen, aufgehoben.
Entscheidend für die (spätere) Kultur der Schule scheint es zu sein, wie die Ausgangslage nach Gründung der Schule war.

Martin Wilke