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Schreiben an UN-Berichterstatter

Wir erhielten die Gelegenheit am Treffen des UN-Berichterstatters für das Recht auf Bildung mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen am 19. Februar 2006 teilzunehmen. Dazu verfaßten wir einen Text, der dort vorgetragen und mit zahlreichen Anlagen übergeben wurde.

Visit of the UN Special Rapporteur on the Right to Education, Mr. Vernor Munoz, in Germany, February 13th - 22nd 2006

Report to the UN Special Rapporteur on the Right to Education

Submitted by:

Name:Mike Weimann
Name of the Organisation:KRÄTZÄ – Children's Rights Group (part of Netzwerk Spiel/Kultur Prenzlauer Berg e.V.)
Adress:Dunckerstraße 11, 10437 Berlin
Tel./Fax:030 44797-22, Fax -20
E-Mail:kraetzae@kraetzae.de
Website:www kraetzae.de (partly available in seven languages)
www.netzwerkspielkultur.de
Subject/Issue:

German Schools vs. Universal Declaration of Human Rights / Perspective of children and students / Democratic Schools, Democratic Education

Sehr geehrter Herr Vernor Munoz!

Die Sicht der Schüler: unsere Analyse

Ich spreche für die Kinderrechtsgruppe K.R.Ä.T.Z.Ä. aus Berlin. Schule ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit, weil Jugendliche viel Zeit in der Schule verbringen. Wir finden die Frage wichtig:

Wie sieht die Schule aus Sicht der Schüler aus?

In den meisten Debatten über das Schulsystem wird diese Frage nämlich vernachlässigt. Schulen in Deutschland werden selten im Sinne der Kinder verändert. Wir waren sehr erfreut, Ihre Aussage zu lesen: „Education is a Human Right, Not an Economic Good“. Leider sollen Deutsche Schulen hauptsächlich leistungsfähige Arbeitskräfte heranbilden. Allerdings verfehlt das System selbst dieses Ziel, wie Wirtschaftsunternehmen bestätigen.

In Deutschland wird beim Thema Schule fast immer über Kinder geredet, als wären sie ein Sache, die man gestalten kann. Die Verwaltung legt fest, was, wie und wann Kinder lernen sollen. Kinder bekommen keinen oder einen schlechten Abschluß, wenn sie sich diesem System nicht beugen.

Das Recht auf Bildung hat sich in Deutschland in sein Gegenteil verkehrt. In Deutschland DÜRFEN Kinder nicht zur Schule gehen, sondern sie MÜSSEN zur Schule gehen. Viele Schüler haben Angst vor der Schule, manche werden krank, andere hassen sie. Sehr viele Schüler langweilen sich. Viele Schüler verweigern den Schulbesuch. Sie werden dafür mit Bußgeld bestraft und teilweise durch die Polizei zwangsweise in die Schule gebracht – ohne daß die Ursachen für das Fehlen untersucht werden.

Der Druck durch Unterricht, Zensuren und Konkurrenz zerstört Kreativität und Lernbegierde. Es ist soweit gekommen, daß sich Jugendliche freuen, wenn sie „nichts lernen“ müssen.

Ich spreche von ganz normalen Schülern, nicht von Randgruppen. Die Unzufriedenheit der Schüler ist kein Einzelfall, sondern ein alltägliches Phänomen. Das jetzige Schulsystem mit dem Zwang, anwesend zu sein und dem Zwang fremdbestimmten „Stoff“ zu lernen, ist offensichtlich uneffektiv. Das System verstößt zudem gegen etliche Artikel der Allgemeinen Erklärung über die Menschenrechte von 1948 und muß auch deshalb geändert werden.

Was tun? – Demokratische Schulen / Informelles Lernen

Im Sommer 2005 veranstaltete unsere Gruppe die IDEC, die 13. International Democratic Education Conference in Berlin mit Teilnehmern aus 28 Ländern. (www.idec2005.org)

"Demokratische Schulen" sind durch die beiden Hauptmerkmale der Demokratie gekennzeichnet.

  • Selbstbestimmung: Kinder können entscheiden, was und wie sie lernen.
  • Mitbestimmung: Kinder können nach dem Prinzip „Ein Mensch – eine Stimme“ in der Schulversammlung über die Regeln der Schule mit abstimmen.

Demokratische Schulen existieren seit vielen Jahren in zahlreichen Ländern der Welt. Sie sind doppelt erfolgreich: Schüler gehen gern auf diese Schulen und sie bereiten sich gut auf Ihr Berufsleben vor.

Wir fordern unsere Regierung auf,

  • Demokratische Schulen in Deutschland zuzulassen,
  • Schülern von herkömmlichen Schulen mehr Wahlmöglichkeiten zu geben,
  • informelles Lernen außerhalb von Schulen zu erlauben und anzuerkennen,
  • Demokratische Schulen und ähnliche Lernorte gleichberechtigt zu finanzieren, damit sie nicht nur Wohlhabenden offen stehen.

Ein verbreiteter Vorwurf gegen Demokratie in Schulen sind mögliche Mißbräuche. Internationale Erfahrungen zeigen jedoch, daß das Mißbrauchsrisiko gering ist.

Um unser Anliegen klar zu machen, schlagen wir Ihnen vor, daß Sie die deutschen verantwortlichen Politiker fragen:

"Warum verweigert die Regierung die Genehmigung von Schulen, in denen die Selbstbestimmung und die Mitbestimmung von Schülern konsequent verwirklicht ist?"